Regenbogenbrücke
 
 
Eine Brücke verbindet den Himmel und die Erde.
Wegen der vielen Farben nennt man sie die Brücke des Regenbogens.
Auf dieser Seite der Brücke liegt ein Land mit Wiesen und Hügeln und saftigen Gras.
 
Wenn ein geliebtes Hundchen auf der Erde für immer eingeschlafen ist,
geht es zu diesem wunderschönen Ort.
Dort gibt es immer zu fressen und zu trinken, und es ist warmes, schönes Frühlingswetter.
Die alten Hunde sind wieder jung und gesund. Sie spielen den ganzen Tag zusammen.
Es gibt nur eine Sache, die sie vermissen...
Sie sind nicht mit ihrem Menschen zusammen, die sie auf der Erde so geliebt haben.
 
So rennen und spielen sie jeden Tag zusammen, bis plötzlich eines von ihnen innehält und aufsieht.
Die Nase bebt, die Ohren legen sich zurück und die Augen werden ganz groß!
Plötzlich rennt es aus der Gruppe heraus und fliegt über das grüne Gras.
Die Pfötchen tragen es schneller und schneller.
Es hat Dich gesehen!
 
Und wenn Du und Dein einst so geliebtes Hundchen sich treffen,
nimmst Du es in die Arme und hältst es ganz fest.
Dein Gesicht wird geküsst, wieder und wieder,
und Du schaust endlich wieder in die Augen Deines geliebten Tieres,
das so lange aus Deinem Leben verschwunden war, aber nie aus Deinem Herzen.
Dann überschreitet ihr gemeinsam die Brücke des Regenbogens,
und Ihr werdet nie wieder getrennt sein.
 
 
Hast mich heut Nacht im Traum besucht - so real, mir zum Greifen nah.
Ich wurde wach - du warst nicht da.
Tränen in den Augen verschleiern mir den Blick,
du fehlst mir so und kehrst nie mehr zurück.
 
Nur eine Woche ist es her, als das Schicksal dich mir nahm,
seh dich noch dort liegen, ich nahm dich in den Arm.
Hab deine Wärme noch gespürt, doch du bewegtest dich nicht mehr.
Alles Leben plötzlich fort, in mir ist alles leer.
Hab dich so geliebt, du hast mir so viel gegeben.
Nur kurz hast du gelitten, vorüber war dein kleines Leben.
Eben noch warst du bei mir, sahst mich an ein letztes Mal.
Wo bist du hin, mein Lieber, frag ich mich voller Qual.
Bist wohl im Regenbogenland? Ohne Leid? Gehts dir dort gut?
Die Hoffnung, dass wir uns Wiedersehen lindert Schmerz, gibt neuen Mut.
 Tage voller Licht und Schatten, Tage voller Freude und Glück.
Mir bleibt nur die Erinnerung an die schöne Zeit mit dir zurück.
 
Ein Blick in deine frohen Augen, und wir hatten uns gefunden.
Hast so gern getobt, gespielt, warst mein trost in schweren Stunden.
Hast mich immer treu begleitet, ich dank dir so dafür!
Dein Platz in meinem Herzen, sei gewiß, bleibt immer hier.
Bis du in meinen Armen liegst, wird noch viel Zeit vergehn.
Besuch mich ruhig in meinen Träumen, bin froh, dich so glücklich zu sehn.
 Das Leben geht weiter von nun an ohne dich
sieh herab von deiner Wolke und vergiss mich nicht.
 
 
Wenn Du einmal ein Haustier hast, so streichle es und hab es gerne.
Es liebt Dich so, das kleine Vieh. Du bist sein Freund, vergiss das nie!
 
Wenn Dein Tier mal Blödsinn macht, verhau´ es nicht, es kann noch lernen!
Es liebt Dich so, das kleine Vieh! Es hat nur Dich! Vergiss das nie!
 
Wenn Dein Tier mal traurig ist, so tröste es mit ganzem Herzen.
Es liebt Dich so, das kleine Vieh. Du bist sein Freund, vergiss das nie!
 
Wenn Dein Tierchen krank mal wird, dann pflege es und gib ihm Wärme!
Es liebt Dich so, das kleine Vieh! Es hat nur Dich! Vergiss das nie!
 
Wenn Dein Tier mal von Dir geht, dann lieb ì es einfach aus der Ferne!
Es findet Ruhe dann und lacht inmitten aller hellen Sterne!
Es liebte Dich, Dein kleines Vieh!
Es liebte Dich! Vergiss das nie! 
 
  
Wenn es soweit ist
 
Bin ich dereinst gebrechlich und schwach, und quälende Pein hält ständig mich wach -
was Du dann tun mußt - tu es allein. Die letzte Schlacht wird verloren sein.
 
Daß du sehr traurig, verstehe ich wohl. Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll.
An diesem Tag - mehr als jemals geschehn - muß Deine Freundschaft das Schwerste bestehn.
 
Wir lebten zusammen in Jahren voll Glück. Furcht vor dem Muß? Es gibt kein Zurück.
Du möchtest doch nicht, daß ich leide dabei.
 
Drum gib, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei. Begleite mich dahin, wohin ich gehn muß.
Nur - bitte bleibe bei mir bis zum Schluß.
Und halte mich fest und red mir gut zu, bis meine Augen kommen zur Ruh'.
 
Mit der Zeit - ich bin sicher - wirst Du es wissen, es war Deine Liebe, die Du mir erwiesen.
Vertrauendes Wedeln ein letztes Mal - Du hast mich befreit von Schmerzen und Qual.
 
Und gräme Dich nicht, wenn Du es einst bist, der Herr dieser schweren Entscheidung ist.
Wir waren beide so innig vereint. Es darf nicht sein, daß Dein Herz um mich weint.

  
Abschied ...
 
Lange stand ich vor der schmalen Holzbrücke, die sich mit ihrem sanften Bogen spiegelte.
Es war eine Brücke zum Hin- und Hergehen, Hinüber und Herüber.
Einfach so, des Gehens wegen und der Spiegelungen.
Die Trauer ist ein Gang hinüber und herüber.
Hinüber, dorthin, wohin der andere ging und zurück, dorthin, wo man mit ihm war,
all die Jahre des gemeinsamen Lebens.
Und dieses Hin- und Hergehen ist wichtig, denn da ist etwas abgerissen.
Die Erinnerung fügt es zusammen, immer wieder.
Da ist etwas verlorengegangen, die Erinnerung sucht es auf und findet es.
Da ist etwas von einem selbst weggegangen.
Man braucht es, man geht ihm nach.
Man muss es wiedergewinnen, wenn man leben will.
Man muss das Land der Vergangenheit erwandern, hin und her,
bis der Gang über die Brücke auf einen neuen Weg führt.
 

  
Wenn es soweit ist - Worte eines Hundes
 
Ich weiß noch genau die Stunde, als Du kamst in unsere Runde.
Schautest alle einzeln an. "Diesen nehme ich", sagtest Du dann.
 
Hochgenommen auf den Arm, bei dir war es sehr schön warm.
 Der Geruch, der war mir neu, und ich dachte voller Scheu,
was kommt jetzt auf dich zu, und ich hatte keine Ruh.
 
Ab ins Auto, schon ging’s los, wohin komm ich denn nun bloß?
Bald war diese Fahrt vorbei, mir war alles einerlei.
Denn vor Angst konnte ich nur beben, auf den Teppich ging der Segen.
 
Ins Körbchen setztest Du mich nun, um mich dort mal auszuruhen.
Neugierig sah ich mich dann um, aber es war doch zu dumm.
Keiner war zum spielen da, und es wurde mir nun klar;
jetzt bist du doch ganz alleine, hört denn keiner, daß ich weine?
 
Dann kamst Du ins Zimmer rein, sprachst ganz ruhig auf mich ein.
Mein ganzer Kummer war verflogen, sie waren weg nun meine Sorgen.
Es war, als hätte ich geträumt, nun hatte ich einen großen Freund!
 
Viele Jahre sind wir nun zusammen, sind durch Dick und Dünn gegangen.
Meine Beine wollen oft nicht mehr. Das Laufen fällt mir oft gar schwer.
 
Ich will es nun doch einmal wagen und es Dir ganz offen sagen:
Wenn mein Herz mal nicht mehr schlägt, großer Kummer dich bewegt,
einen Trost in Deinem Leid: Sie war schön mit Dir, die Zeit.
 
Denke dann in stillen Stunden, wieviel Liebe uns hat verbunden.
Einer war für den Anderen da, und es war doch wirklich klar:
 Eine Liebe, rein wie das Licht, mein Herz, das schlug nur für Dich.

 

An Herrchen und Frauchen !

Heute bin ich gestorben.

Ihr habt genug von mir gehabt.
Ihr habt mich in ein Tierheim gebracht. Es war überfüllt.
Wahrscheinlich bin ich unter einem unglücklichen Stern geboren.
Jetzt liege ich in einem schwarzen Plastiksack.
Mein Halsband, das zu klein war und auch schmutzig, hat die Frau,
die mich auf das ewige Jagdfell geschickt hat, abgenommen.
Das und die kaum benutzte Leine, die Ihr hier gelassen habt,
wird ein anderer Welpe bekommen.

Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre,
wenn ich den Schuh nicht zerkaut hätte ?
Ich wußte nur, dass es Leder ist, es lag vor mir auf dem Boden.
Ich wollte nur spielen. Ihr habt vergessen Hundespielzeug zu kaufen.

Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre,
wenn ich stubenrein gewesen wäre? Ihr habt meine Nase da reingedrückt.
Ich verstand es nicht. Es gibt doch Bücher und Schulen, wo man lernen kann,
wie man Welpen so etwas beibringt.

Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre,
wenn ich keine Flöhe in die Wohnung geschleppt hätte?
Aber ohne Mittel kann ich sie nicht los werden.

Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre,
wenn ich nicht gebellt hätte?
Aber ich habe doch nur gesungen:
Ich bin da, ich bin da, ich bin erschrocken und so einsam.
Ich möchte Euer bester Freund werden.

Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre,
wenn ich Euch erfreut hätte?
Aber wenn Ihr mich schlagt, wie kann ich Euch da erfreuen ?

Hätte es sein können, dass ich immer noch bei Euch zu Hause wäre,
wenn Ihr mich gelehrt hättet, mich richtig zu benehmen?
Nach der ersten Woche, habt Ihr keine Zeit mehr für mich gefunden.
Ich habe den ganzen Tag auf Euch gewartet.

Heute bin ich gestorben.

Euer Welpe

Leas Geschichte
Ich weiß nicht mehr viel von dem Ort, wo ich geboren bin.
Es war eng und dunkel und nie spielte ein Mensch mit uns. I
ch erinnere mich noch an Mama und ihr weiches Fell, aber sie war oft krank und sehr dünn.
Sie hatte nur wenig Milch für mich und meine Brüder und Schwestern.
Die meisten von Ihnen waren plötzlich gestorben.
Als sie mich von meiner Mutter wegnahmen, hatte ich furchtbare Angst und war so traurig.
Meine Milchzähne waren kaum durchgestoßen,
und ich hätte meine Mama doch noch so sehr gebraucht. Arme Mama, es ging ihr so schlecht.
Die Menschen sagten, daß sie jetzt endlich Geld wollten
und dass das Geschrei meiner Schwester und mir ihnen auf die Nerven ginge.
So wurden wir eines Tages in eine Kiste verladen und fortgebracht.
Wir kuschelten uns aneinander und fühlten wie wir beide zitterten, ohnmächtig vor Angst.
Niemand kam, um uns zu trösten.
All diese seltsamen Geräusche und erst noch die Gerüche - wir sind in einem”Petshop”,
einem Laden, wo es viele verschiedene Tiere gibt.
Einige miauen, andere piepsen, einige pfeifen. Wir hören auch das wimmern von anderen Welpen. Meine Schwester und ich drücken uns eng zusammen in dem kleinen Käfig.
Manchmal kommen Menschen uns anschauen, oft ganz kleine Menschen,
die sehr fröhlich aussehen, als wollten sie mit uns spielen.
Tag um Tag verbringen wir in unserem kleinen Käfig.
Manchmal packt uns jemand und hebt uns hoch um uns zu begutachten.
Einige sind freundlich und streicheln uns, andere sind grob und tun uns weh.
Oft hören wir sagen “oh, sind die süß, ich will eines”, aber dann gehen die Leute wieder fort.
Letzte Nacht ist meine Schwester gestorben.
Ich habe meinen Kopf an ihr weiches Fell gelegt und gespürt,
wie das Leben aus dem dünnen Körperchen gewichen ist.
Als sie sie am Morgen aus dem Käfig nehmen sagen sie, sie sei krank gewesen,
und ich sollte verbilligt abgegeben werden, damit ich bald wegkomme.
Niemand beachtet mein leises Weinen, als mein kleines Schwesterchen weggeworfen wird.
Heute ist eine Familie gekommen und hat mich gekauft! Jetzt wird alles gut!
Es sind sehr nette Leute, die sich tatsächlich für MICH entschieden haben.
Sie haben gutes Futter und einen schönen Napf dabei,
und das kleine Mädchen trägt mich ganz zärtlich auf den Armen.
Ihr Vater und ihre Mutter sagen, ich sei ein ganz süßes und braves Hundchen.
Ich heiße jetzt Lea.
Ich darf meine neue Familie sogar abschlappern, das ist wunderbar.
Sie lehren mich freundlich, was ich tun darf und was nicht, passen gut auf mich auf,
geben mir herrliches Essen und viel, viel Liebe.
Nichts will ich mehr, als diesen wunderbaren Menschen zu gefallen,
und nichts ist schöner als mit dem kleinen Mädchen herumzutollen und zu spielen.
Erster Besuch beim Tierarzt.
Es war ein seltsamer Ort, mir schauderte. Ich bekam einige Spritzen.
Meine beste Freundin, das kleine Mädchen, hielt mich sanft und sagte, es wäre ok.
Dann entspannte ich mich.
Der Tierarzt schien meinen geliebten Menschen traurige Worte zu sagen,
sie sahen ganz bestürzt aus.
Ich hörte etwas von schweren Mängeln und von Dysplasie E und von Herz zwei.
Er sprach von wilden Züchtern und daß meine Eltern nie gesundheitlich getestet worden seien.
Ich habe nichts von alledem begriffen, aber es war furchtbar, meine Familie so traurig zu sehen. Jetzt bin ich 6 Monate alt.
Meine gleichaltrigen Artgenossen sind wild und stark, aber mir tut jede Bewegung schrecklich weh. Die Schmerzen gehen nie weg.
Außerdem kriege ich gleich Atemnot, wenn ich nur ein wenig mit dem kleinen Mädchen spielen will. Ich möchte so gerne ein kräftiger Hund sein, aber ich schaffe es einfach nicht.
Vater und Mutter sprechen über mich. Es bricht mir das Herz, alle so traurig zu sehen.
In der Zwischenzeit war ich oft beim Tierarzt,
und immer hieß es “genetisch” und “nichts zu machen”.
Ich möchte draußen in der warmen Sonne mit meiner Familie spielen, möchte rennen und hüpfen.. Es geht nicht. Letzte Nacht war es schlimmer als eh und je.
Ich konnte nicht einmal mehr aufstehen um zu trinken und nur noch schreien vor Schmerzen.
Sie tragen mich ins Auto. Alle weinen. Sie sind so seltsam, was ist los? War ich böse?
Sind sie am Ende böse auf mich? Nein, nein, sie liebkosen mich ja so zärtlich.
Ach, wenn nur diese Schmerzen aufhörten!
Ich kann nicht mal die Tränen vom Gesicht des kleinen Mädchens ablecken,
aber wenigstens erreiche ich seine Hand...
Der Tisch beim Tierarzt ist kalt. Ich habe Angst.
Die Menschen weinen in mein Fell, ich fühle, wie sehr sie mich lieben.
Mit Mühe schaffe ich es, ihre Hand zu lecken.
Der Tierarzt nimmt sich heute viel Zeit und ist sehr freundlich,
und ich empfinde etwas weniger Schmerzen.
Das kleine Mädchen hält mich ganz sanft, ein kleiner Stich ...
Gottseidank, der Schmerz geht zurück.
Ich fühle tiefen Frieden und Dankbarkeit.
Ein Traum, ich sehe meine Mama, meine Brüder und Schwestern auf einer großen grünen Wiese.
Sie rufen mir zu, daß es dort keine Schmerzen gibt, nur Friede und Glück.
So sage ich meiner Menschenfamilie auf Wiedersehen auf die einzige mir mögliche Weise:
mit einem sanften Wedeln und einem kleinen Schnuffeln.
Viele Jahre wollte ich mit Euch verbringen, es hat nicht sein sollen.
Statt dessen habe ich Euch so viel Kummer gemacht.
Es tut mir leid, Ich war halt nur eine Händlerware.
 Warum, Mami?   

Alkohol am Steuer.
Tod einer Unschuldigen.

Ich ging zu einer Party, Mami, und dachte an Deine Worte.
Du hattest mich gebeten, nicht zu trinken,
und so trank ich keinen Alkohol.
 
Ich fühlte mich ganz stolz, Mami,
genauso, wie Du es vorhergesagt hattest.
Ich habe vor dem Fahren nichts getrunken, Mami,
auch wenn die anderen sich mokierten.
 
Ich weiß, dass es richtig war, Mami,
und dass Du immer Recht hast.
Die Party geht langsam zu Ende, Mami,
und alle fahren weg.
 
Als ich in mein Auto stieg, Mami,
wusste ich, dass ich heil nach Hause kommen würde:
aufgrund Deiner Erziehung -
so verantwortungsvoll und fein.
 
Ich fuhr langsam an, Mami, und bog in die Strasse ein.
Aber der andere Fahrer sah mich nicht,
und sein Wagen traf mich mit voller Wucht.
 
Als ich auf dem Bürgersteig lag, Mami,
hörte ich den Polizisten sagen,
der andere sei betrunken.
 
Und nun bin ich diejenige, die dafür büßen muss.
 
Ich liege hier im Sterben, Mami,
ach bitte, komm' doch schnell.
Wie konnte mir das passieren?
 
Mein Leben zerplatzt wie ein Luftballon.
 
Ringsherum ist alles voll Blut, Mami,
das meiste ist von mir.
Ich höre den Arzt sagen, Mami,
dass es keine Hilfe mehr für mich gibt.
 
Ich wollte Dir nur sagen, Mami,
ich schwöre es,
ich habe wirklich nichts getrunken.
 
Es waren die anderen, Mami,
die haben einfach nicht nachgedacht.
 
Er war wahrscheinlich auf der gleichen Party wie ich, Mami.
Der einzige Unterschied ist nur:
Er hat getrunken, und ich werde sterben.
 
Warum trinken die Menschen, Mami?
Es kann das ganze Leben ruinieren.
 
Ich habe jetzt starke Schmerzen,
wie Messerstiche so scharf.
 
Der Mann,
der mich angefahren hat, Mami, läuft herum,
und ich liege hier im Sterben.
Er guckt nur dumm.
Sag' meinem Bruder,
dass er nicht weinen soll, Mami.
Und Papi soll tapfer sein.
 
Und wenn ich dann im Himmel bin, Mami,
schreibt "Papis Mädchen" auf meinen Grabstein.
 
Jemand hätte es ihm sagen sollen, Mami,
nicht trinken und dann fahren.
Wenn man ihm das gesagt hätte, Mami,
würde ich noch leben.
 
Mein Atem wird kürzer, Mami, ich habe große Angst.
Bitte weine nicht um mich, Mami.
Du warst immer da, wenn ich Dich brauchte.
 
Ich habe nur noch eine letzte Frage, Mami,
bevor ich von hier fortgehe:
Ich habe nicht vor dem Fahren getrunken,
warum bin ich diejenige, die sterben muss?
 
 
 

kleine Anmerkung:
Dieser Text in Gedichtform war an der
Springfield High School (Springfield, VA, USA) in Umlauf,
nachdem eine Woche zuvor zwei Studenten
bei einem Autounfall getötet wurden.
Unter dem Gedicht steht folgende Bitte:

JEMAND HAT SICH DIE MÜHE GEMACHT,
DIESES GEDICHT ZU SCHREIBEN.
GIB ES BITTE AN SO VIELE MENSCHEN WIE MÖGLICH WEITER.
WIR WOLLEN VERSUCHEN,
ES IN DER GANZEN WELT ZU VERBREITEN,
DAMIT DIE LEUTE ENDLICH BEGREIFEN, WORUM ES GEHT.
 
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